Von KI bis BTP: 5 SAP-Security-Risiken, die 2026 eure Verteidigung herausfordern

| Autor/in:Rebecca Zimmer
SAP Security Trends 2026

SAP-Sicherheitslücken werden 2026 nicht mehr nur ausgenutzt – sie werden zur Waffe. Während die Komplexität durch Cloud-Migrationen und SAP BTP steigt, nutzen Angreifer KI, um Schwachstellen in Rekordzeit zu finden. SAP-Security ist kein IT-Randthema mehr, sondern ein kritisches Geschäftsrisiko. Wer jetzt nicht handelt, verliert die Kontrolle über das Herzstück seiner Wertschöpfung.

Die Ausgangslage: Wenn das Rückgrat bricht

Eure SAP-Systeme verwalten alles: Finanzen, Personal, Produktion. Doch die Angriffsfläche ist 2026 so groß wie nie zuvor. Klassische „Einmal-im-Quartal“-Patches sind gegen hochgradig automatisierte Angriffe wirkungslos. Das Risiko ist real: Ein einziger Blind Spot in der Cloud oder eine falsch konfigurierte KI-Schnittstelle kann den gesamten Geschäftsbetrieb zum Stillstand bringen.


Fünf SAP-Security-Trends, die ihr 2026 nicht ignorieren könnt mit Handlungsempfehlungen

1. Das „Zero-Day“-Dilemma: Wenn Stunden über den Ernstfall entscheiden

Das größte Risiko 2026 ist die Zeit. Zwischen der Veröffentlichung einer SAP Security Note und dem ersten aktiven Exploit liegen oft nur noch Stunden. Manuelle Prozesse sind hier kein Hindernis, sondern eine Einladung an Angreifer.

  • Das Risiko: Ein ungeschütztes System innerhalb der ersten 24 Stunden nach Bekanntwerden einer Lücke.
  • Die Antwort: Automatisierte Scans und eine knallharte 24h-Priorisierung für kritische Patches.
  1. Wöchentliche automatisierte SAP Security Note Scans einrichten (SAP Solution Manager oder Tool vom Drittanbieter).
  2.  Kritikalitätsmatrix erstellen: CVSS-Score ≥ 7.0 + Geschäftsrelevanz = 24h-Priorität.
  3.  Patch-Zeitfenster von 90 auf 30 Tage verkürzen, HotNews innerhalb 7 Tagen.
  4.  Eskalationspfad definieren: Security Note → CISO → Business Owner → Go/No-Go.

2. Der „Cloud-Blindflug“ auf der SAP BTP

Die Verlagerung in die Cloud schafft oft eine gefährliche Illusion von Sicherheit. Viele Unternehmen verkennen das Shared Responsibility Model. Mit der Verlagerung von Workloads in die Cloud und der Nutzung von SAP BTP wächst die Komplexität rasant. Neue Schnittstellen, hybride Architekturen und geteilte Verantwortlichkeiten („Shared Responsibility“) schaffen zusätzliche Risiken.

Ein häufiger Irrtum: „In der Cloud kümmert sich SAP schon um die Sicherheit.“ In Wahrheit bleibt die Verantwortung für Konfiguration, Identitäten, Berechtigungen und Datenzugriffe beim Unternehmen. Fehlkonfigurationen und unklare Zuständigkeiten gehören zu den größten Risikofaktoren.

  • Das Risiko: Fehlkonfigurationen und ungesteuerte Identitäten auf der BTP, die Angreifern direkten Zugriff auf sensible Daten gewähren – oft unbemerkt, da die Verantwortung zwischen IT und Cloud-Provider ungeklärt ist.
  • Die Antwort: Klare Verantwortlichkeits-Matrizen und monatliche Config-Scans.
  1. Shared-Responsibility-Matrix für SAP BTP erstellen (SAP vs. Kunde vs. CSP).
  2.  Monatliche BTP-Config-Scans: OAuth-Scopes, Service Bindings, API-Endpoints prüfen.
  3.  „Least Privilege“-Prinzip für BTP-Services: Standard- statt Custom-Rollen verwenden.
  4.  Central Identity Provider (Azure AD/IAM) für alle BTP-Subaccounts zertifizieren.

3. KI beschleunigt Angriffe – und Verteidigung

Künstliche Intelligenz verändert auch die SAP-Security: Angreifer nutzen KI, um schneller Schwachstellen zu identifizieren, Exploits zu entwickeln und Angriffe zu automatisieren. Gleichzeitig bieten KI-gestützte Analysen auf Verteidigungsseite neue Möglichkeiten, Auffälligkeiten in Logs und Nutzerverhalten zu erkennen.

Die Herausforderung besteht darin, KI sinnvoll und verantwortungsvoll in bestehende Security-Prozesse zu integrieren – ohne „Black-Box“-Entscheidungen und mit klaren Governance-Regeln.

  • Das Risiko: Angriffe, die herkömmliche, signaturbasierte Abwehrsysteme einfach umgehen, weil sie sich in Echtzeit anpassen.
  • Die Antwort: Einsatz von KI auf der Verteidigerseite (UEBA), um Anomalien im Nutzerverhalten sofort zu erkennen.
  1. SAP-Logs mit UEBA-Tools (User & Entity Behavior Analytics) auf Anomalien prüfen.
  2.  „KI-Governance-Framework“ für SAP Security Notes: Automatische Priorisierung nach Exploit-Potenzial.
  3.  Proof-of-Concepts für KI-basierte Log-Korrelation (SAP Application Logs → SIEM).
  4.  Red-Team-Übung: Lassen Sie Angreifer mit ChatGPT SAP Security Notes analysieren.

4. Der SAP-Blind-Spot im Security Operations Center (SOC)

Obwohl Unternehmen Millionen in SOC und SIEM investieren, bleibt SAP oft eine „Black Box“. Logs werden nicht oder nur teilweise angebunden, Alarme fehlen, und kritische Aktivitäten in zentralen Geschäftsprozessen bleiben unsichtbar. Wer SAP nicht in sein Monitoring integriert, schützt im Zweifel die „Außenhülle“, aber nicht das eigentliche Herzstück der Wertschöpfung. Zielbild muss sein: SAP-Events als fester Bestandteil im Gesamtsicherheitsbild. 

  • Das Risiko: Ein Einbruch im SAP-System wird erst Wochen später bemerkt, weil die relevanten Logs nie im zentralen Monitoring ankamen. Während das SOC die Außenhülle überwacht, wird der Tresor im Inneren bereits geleert.
  • Die Antwort: Nahtloses Streaming kritischer SAP-Events (SM20) in das SIEM.
  1.  SAP Security Audit Log (SM20) als ersten Schritt ins SIEM streamen (Syslog-Format).
  2. 5 kritische Use Cases definieren: Firefighter-Usage, Massendatenexport, Admin-Logins, RFC-Calls, Custom-Code-Execution.
  3. SAP-GRC-Integration: Risiko-Listen direkt ins SIEM übertragen (SAP → QRadar/Splunk).
  4. Dashboard erstellen: SAP-Risiko-Score + Anzahl offener Critical Security Notes.

5. Das Privilegien-Chaos: Die Gefahr von innen

Veraltete Berechtigungskonzepte und „historisch gewachsene“ SAP_ALL-Berechtigungen sind 2026 eine Zeitbombe. Insider-Risiken, mächtige Firefighter-User und neue regulatorische Vorgaben (z. B. NIS2, DSGVO) rücken Berechtigungen und Identity & Access Management ins Zentrum. Kritisch wird es vor allem dort, wo technische Notwendigkeiten, Fachbereichswünsche und Compliance-Anforderungen nicht sauber zusammengeführt werden. Gefragt sind belastbare Berechtigungskonzepte, Privileged-Access-Management und klare Governance – statt einmaliger „Rollenprojekte“, die nach zwei Jahren wieder veraltet sind.

  • Das Risiko: Insider-Bedrohungen oder kompromittierte Admin-Accounts mit massiven Zugriffsbefugnissen, die Compliance-Verstöße (NIS2, DSGVO) und Datendiebstahl im großen Stil ermöglichen.
  • Die Antwort: Radikale Reduktion von Dauer-Berechtigungen und Einführung von Just-in-Time-Zugriffen.
  1. FireFighter-User-Zugriffe auf 72h begrenzen, mit Vor-/Nachberechtigung (4-Augen-Prinzip).
    2. „Role Review 2026″: Alle Rollen mit SAP_ALL-Anteilen identifizieren und zerlegen.
    3. Just-in-Time-Provisioning für SAP-Entwicklung: Zugriff nur bei Bedarf, zeitlich begrenzt.
    4. Segregation-of-Duties (SoD)-Matrix aktualisieren: Finance vs. HR vs. MM-Transaktionen.

Von der Trendkurve zur To-do-Liste: Die ICon 2026 als Navigationshilfe

Genau hier setzt die IBS Security Convention (ICon) 2026 in Hamburg an. Unter dem Motto: „Access. Risk. Clarity. – Zugriffe verstehen. Risiken beherrschen. Klarheit schaffen.“ bringt die Veranstaltung SAP-Security-Verantwortliche, IT-Leitung, Revision, Compliance und Fachbereiche zusammen.

Vernetzt in der Community: ICon & DSAG Wir wissen: Sicherheit im SAP-Umfeld lässt sich nur durch starken Austausch und Kooperation meistern. Deshalb pflegen wir eine enge Verbindung zur SAP-Anwendergemeinschaft. Wir arbeiten intensiv mit den DSAG-Arbeitskreisen zusammen, um sicherzustellen, dass die realen Probleme der Anwender in unser Programm einfließen.

Diese Vernetzung macht die ICon zur idealen Ergänzung zu den großen Branchen-Events: Während der DSAG-Jahreskongress 2026 vom 6. bis 8. Oktober in Köln als wichtigster strategischer Treffpunkt für SAP-Anwender fungiert, bieten wir auf der ICon den Raum für den fachspezifischen Deep-Dive. Viele unserer Referenten und Teilnehmer sind selbst in der DSAG aktiv, was einen Austausch auf Augenhöhe garantiert – von Experten für Experten.

Statt abstrakter Buzzwords geht es auf der ICon um pragmatische Fragen wie:

  • Wie priorisieren wir SAP-Schwachstellen so, dass wir unsere knappen Ressourcen sinnvoll einsetzen?
  • Welche Verantwortlichkeiten brauchen wir im Zusammenspiel von On-Premises, Cloud und SAP BTP?
  • Wie integrieren wir SAP-Logs sinnvoll in unser SOC oder SIEM?
  • Welche Rolle spielt KI in unserer SAP-Security-Strategie – und wo ziehen wir regulatorische Leitplanken?
  • Wie bringen wir Berechtigungen, Business-Anforderungen und Compliance unter einen Hut?

Was Teilnehmende konkret mitnehmen können:

Auf der ICon 2026 stehen klare Mehrwerte im Fokus:

  • Praxis-Insights: Live-Demos zu aktuellen Angriffsszenarien auf SAP-Systeme
  • Cloud-Leitplanken: Best Practices für BTP-Architekturen und Governance
  • KI-Anwendung: Wie KI von der Anomalie-Erkennung bis zum GRC-Prozess unterstützt
  • Networking pur: In den Pausen und Panels trefft ihr Fachkollegen und Experten aus der SAP-Security-Community zum offenen Erfahrungsaustausch. Oft sind es genau diese unkonventionellen Gespräche am Rande, die die besten Lösungen für das eigene Unternehmen liefern.

Für wen sich die Teilnahme besonders lohnt:

Die IBS Security Convention richtet sich an alle, die Verantwortung für SAP-Sicherheit und Compliance tragen:

  • Leiter IT / CIO / CISO
  • SAP-Basis- und Security-Verantwortliche
  • Verantwortliche für GRC, Revision und Datenschutz
  • Fachbereichsleiter (Finance, HR, Logistik)

Wer seine SAP-Landschaft zukunftssicher machen will, kommt 2026 an einem tiefen fachlichen Austausch nicht vorbei.

Alle Details zu Agenda, Referentinnen und Referenten sowie zur Anmeldung findet ihr hier:

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